Andacht zu 2.Korinther 2,5-11
Wer richtet, der rostet (4.Sonntag nach Trinitatis), Tag 6

Andachten auswählen

 

Lesung:

2.Korinther 2,5-11

Wenn aber jemand Betrübnis angerichtet hat, der hat nicht mich betrübt, sondern zum Teil - damit ich nicht zu viel sage - euch alle. Es ist aber genug, dass derselbe von den meisten gestraft ist, so dass ihr nun ihm desto mehr vergeben und ihn trösten sollt, damit er nicht in allzu große Traurigkeit versinkt. Darum ermahne ich euch, dass ihr ihm Liebe erweist. Denn darum habe ich auch geschrieben, um eure Bewährung zu erkennen, ob ihr gehorsam seid in allen Stücken. Wem aber ihr etwas vergebt, dem vergebe ich auch. Denn auch ich habe, wenn ich etwas zu vergeben hatte, es vergeben um euretwillen vor Christi Angesicht, damit wir nicht übervorteilt werden vom Satan; denn uns ist wohl bewusst, was er im Sinn hat.

 

Thema:

Für immer abgestempelt

 

Auslegung:

„Der hat seinen Ruf weg“, sagt man von einem Menschen, der irgendwann einmal so richtig danebengelangt hat. Er ist abgestempelt. Man geht ihm aus dem Weg. Man legt ihn auf den einmal begangenen Mist für alle Zeiten fest. Das ist auch eine Form des Richtens.

Hat derjenige noch eine Chance umzudenken? Kann es nicht sein, dass er sich ändern möchte? Vielleicht unternimmt er zaghaft und ängstlich Schritte, die ihn aus dem Sumpf seiner alten Fehler führen könnten. Doch die Anderen machen ihm diesen Weg schwer, wahrscheinlich ohne sich dessen bewusst zu sein. Durch ihre Vorurteile drücken und schubsen sie ihn zurück in das Alte: „Du bist doch der Dieb, der Ehebrecher, der Autoknacker, der Wilderer, der Mörder! Bleib uns vom Hals!“

Paulus sagt: Christen sollen es anders machen. Auch in der Gemeinde von Korinth gab es offensichtlich einen Menschen, der seinen Stempel aufgedrückt bekommen hatte. Was er genau ausgefressen hatte, schreibt Paulus nicht, wohl um denjenigen zu schonen. Zumindest muss es ein richtiger „Hammer“ gewesen sein.

Einige in der Gemeinde tunken den Übeltäter genüsslich in den Dreck. Sie reiben ihm seine Fehler unter die Nase. Dieses Verhalten rügt Paulus: Schluss jetzt! Der Mann hat doch längst eingesehen, dass er Mist gebaut hat. Er ist gestraft genug. Deshalb ist es jetzt eure Aufgabe, ihm zu helfen, dass er wieder hochkommt, dass er herauskommt aus dem Sumpf. Vergebung ist angesagt!

 

Gebet:

Vater, gib mir Weisheit, richtig mit meinen Mitmenschen umzugehen. Bewahre mich vor der Lust, andere fertig zu machen. Wo es nötig ist, lass mich mit meinen Mitmenschen ein ernstes Wort reden. Wo es möglich ist, lass mich vergeben und dem anderen helfen. Herr, ich möchte keinen Menschen abstempeln. Gib mir die Kraft dazu.

 

Impuls:

1. Kennen Sie den Genuss, anderen ihre Fehler unter die Nase zu reiben? Bis zu einem gewissen Punkt kann es notwendig sein, andere zurechtzuweisen (z.B. in der Erziehung). Es sollte aber immer geschehen, um dem anderen weiterzuhelfen und nicht aus Spaß an der Freud.

2. Voraussetzung für Vergebung ist, dass der Betreffende seinen Fehler aufrichtig bereut und um Verzeihung bittet. Solange das nicht geschieht, können wir nur im Herzen versöhnungsbereit sein und auf eine ehrliche Aussprache hinarbeiten.

 

 

Hintergrundinformationen:

v     Übervorteilt vom Satan, was meint Paulus damit? Der Satan verfolgt das Ziel, uns von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes abzubringen und in Böses zu verwickeln. Eine seiner Taktiken ist, unseren berechtigten Zorn zu benutzen, um uns unbarmherzig und nachtragend zu machen. Wir merken den neuralgischen Punkt oft nicht, wo berechtigter Zorn in unberechtigten Zorn umschlägt, und wo wir dem anderen bereits Unrecht tun.

 

Autor dieser Andacht: Robert Augustin