Andacht zu Micha 7,7-9.18-20
Endlich wiedergefunden (3.Sonntag nach Trinitatis), Tag 6

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Lesung:

Micha 7,7-9.18-20

Ich aber will auf den HERRN schauen und harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören. Freue dich nicht über mich, meine Feindin! Wenn ich auch daniederliege, so werde ich wieder aufstehen; und wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der HERR mein Licht. Ich will des HERRN Zorn tragen - denn ich habe wider ihn gesündigt -, bis er meine Sache führe und mir Recht schaffe. Er wird mich ans Licht bringen, dass ich seine Gnade schaue.

...

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übriggeblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

 

Thema:

Gott wirft unsere Sünden ins Meer

 

Auslegung:

Wie sehr leidet unsere Welt daran, dass es oft keine wirkliche Vergebung gibt. Da werden einem die Untaten ewig nachgetragen. Ein führender Vertreter der Juden in Deutschland forderte zum Beispiel, dass die Deutschen ewig für die Gräueltaten des Hitlerregimes büßen sollen. Ja, damals sind schlimme Dinge geschehen. Und unsere Großväter und Urgroßväter haben sich schuldig gemacht. Aber das ewige Festhalten am Zorn gegen ein Volk stiftet keine Versöhnung, sondern eher neuen Hass.

Sünden nachtragen, das ist auch das Prinzip der fernöstlichen Religionen, wie Hinduismus oder Buddhismus. Jeder muss für seine Untaten Genugtuung leisten. Nur so kann er seinen Daseinsstand allmählich der Erlösung entgegensteuern.

Der Gott Israels ist anders. Er arbeitet auf Versöhnung zu. Er vergibt Sünde. Er erlässt Schuld. Er zürnt nicht „ewig“. Er ist barmherzig. Begeistert ruft der Prophet Micha aus: Wo ist solch ein Gott?! Die Antwort muss wohl lauten: Nirgends sonst. Es gibt keinen anderen.

Micha unterstreicht das mit kräftigen Bildern. Gott wird alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen, sagt er. Das heißt: Er räumt sie weg. Ganz und gar. Ein für allemal.

Das gilt auch für Ihre Sünden: Wenn Sie sie bereuen und an Gott abgeben, wird er sie Ihnen nicht nachtragen, auch nicht hinterher schmeißen, auch nicht zwischenlagern, sondern er wird sie endgültig entsorgen. Gott hat ein Interesse daran, den Sünder endlich wiederzufinden. Wo ist solch ein Gott?!

 

Gebet:

Vater, ich danke dir, dass du ganze Sache machst. Du spielst nicht mit dem Sünder wie die Katze mit der Maus. Du fragst nicht nach Bedingungen und Sicherheiten wie ein Händler. Du vergibst bedingungslos. Du nimmst den an, der sich von dir wiederfinden lässt, ganz und gar. Danke, Vater, für deine Güte. Hilf mir, dass ich sie nicht missbrauche, sondern dich von ganzem Herzen liebe.

 

Impuls:

Schließen Sie die Augen. Stellen Sie sich vor, Gott öffnet vor Ihnen eine schwere Stahlkiste. Alle Sünden und Fehler, die Sie bereuen, legen Sie nun in die Kiste. Sie hoffen auf Gottes Vergebung. Schließlich versiegelt Gott die Kiste und wirft sie ins Meer. Sie versinkt wie ein Stein. Meter um Meter sinkt sie hinab, bis auf mehrere tausend Meter Tiefe. Die Sünden sind weg. Sie sind vergeben, ein für allemal. Sie atmen auf und loben Gott.

 

Hintergrundinformationen:

v     Gottes Erbteil ist eine bildhafte Umschreibung für Gottes Volk Israel.

 

Autor dieser Andacht: Robert Augustin