Andacht zu Johannes 9,1-7

Ganz gesund? (19.Sonntag nach Trinitatis), Tag 6

 

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Lesung:

Johannes 9,1-7

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden. Und er sprach zu ihm: Geh zum Teich Siloah - das heißt übersetzt: gesandt - und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

 

 

 

Hauptgedanke des Textes:

Jesus, das Licht der Welt, heilt einen Blindgeborenen.

 

Auslegung:

Im “Vorbeigehen” sieht Jesus einen blindgeborenen Menschen und wendet sich ihm zu. „Warum muss gerade er blind sein?“, fragen sich die Jünger. „Was hat er (oder seine Eltern) verschuldet, dass Gott ihn so straft?“ Sie möchten verstehen. Sie suchen nach Ursachen der Krankheit. Und heute? Stellt man da nicht oft dieselbe Frage: „Warum gerade ich?“ „Warum gerade er

Wie sinnlos dieses Zurückfragen doch ist! Was bringt es, in der Vergangenheit herumzuwühlen? Was bringt es, dem Blinden seine Sünden unter die Nase zu reiben? Deshalb lenkt Jesus unseren Blick in die Zukunft. Er möchte, dass wir auf das sehen, was Gott tun kann – auch wenn unser bisheriges Leben noch so sündig gewesen sein mag. Gott ermöglicht uns, die Vergangenheit hinter uns zu lassen und neu anzufangen. Das demonstriert Jesus mit der Heilung des Kranken. Wie wunderbar klar werden hier die Zusammenhänge. Jesus das Licht der Welt, schenkt einem Blindgeborenen das Augenlicht! Doch noch mehr: Der Blindgeborene wird nicht nur äußerlich geheilt, sondern auch im übertragenen Sinne: Er wird sehend für Jesus. Er kann auf ihn schauen und an ihn glauben. Als er ihm später noch einmal begegnet wird er zum Zeugen für Jesus vor den “blinden” Pharisäern.

 

Gebet:

Danke, Vater im Himmel, dass Du Jesus, das Licht der Welt gesandt hast um uns den Weg zu Dir zu leuchten. Danke, dass Du Dein Reich baust und immer wieder Heilungen schenkst. Gebrauche uns auch als Lichter in dieser Welt, um anderen die Augen zu öffnen, zu Deiner Ehre. Amen!

 

Impuls:

Versuchen Sie doch in nächster Zeit, mit kranken Menschen ins Gespräch zu kommen und nach ihren Erfahrungen zu fragen, die sie beim Hilfe Suchen gemacht haben. Wie wurde mit ihnen in ihrer Kirche umgegangen? Wurde für sie gebetet, wurden sie liebevoll begleitet? Wie hat es ihr Verhältnis zu Gott geprägt? Vielleicht sind Sie ja selbst jemand, der mit einer Krankheit lebt/ lebte? Wie gehen Sie mit der Krankheit in ihrem Verhältnis zu Gott um?

 

Hintergrundinformationen:

v     Jesus schickt in einer Zeichenhandlung den Blinden zum Teich Schiloach, was übersetzt der „Gesandte“ bedeutet. Das könnte ein versteckter Hinweis darauf sein, dass Jesus der Gesandte Gottes ist.

v     Verfasser unseres Textes ist der Jünger Johannes, Sohn des Zebedäus, der im Evangelium als Lieblingsjünger Jesu bezeichnet wird. Er war ein Fischer am See Genezareth.

v     Das Johannesevangelium entstand Ende des 1.Jh.n.Chr. (ca. 90 n.Chr. im jetzigem Zustand), da noch die Schüler des Johannes den Schluss geschrieben haben ( Kap.21 ). Das Johannesevangelium ist als letztes geschrieben und betont vor allem die Beziehung zu Jesus.

v     Die Geschichte ist stilistisch gesehen eindeutig eine Wundergeschichte, genauer eine Therapie. Im Johannesevangelium gibt es 7 oder 8 Wunder. Diese Wunder sind ausgewählte Wunder unter christologischen Gesichtspunkten (Fragestellung: „Wer ist Jesus [“Ich bin” Worte]?“ „Was ist sein Auftrag?“).

v     Den Willen Gottes am Blindgeborenen muss Jesus tun, solange es noch Tag ist, denn es kommt die Nacht. Hier weist Jesus darauf hin, dass die Zeit seines Wirkens durch seinen Tod begrenzt ist. Es ist Tag, solange Jesus als das Licht in der Welt ist. Das “Wir” bezieht sich sicher auf die Jünger und auf uns, die wir auch “Lichter” sein sollen, nach Ostern, nach Jesu Himmelfahrt, in unserer Zeit.

 

 

Autor dieser Andacht: Heiko Stegmeier