Andacht zu Römer 2,1-11
Die große Abrechnung (Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr), Tag 5


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Lesung:

Römer 2,1-11

Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest. Wir wissen aber, dass Gottes Urteil recht ist über die, die solches tun. Denkst du aber, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit; Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die Böses tun, zuerst der Juden und ebenso der Griechen; Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden allen denen, die Gutes tun, zuerst den Juden und ebenso den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.

 

 

Thema:

Verdrängen ist nicht gut

 

Auslegung:

„Verdrängen“ ist eines der psychologischen Lieblingsworte unserer Zeit. Menschen „verdrängen“ Probleme, weil sie ihnen unbequem sind. Oder sie „verdrängen“ Sehnsüchte und Wünsche, um die praktischen Anforderungen des Lebens zu meistern. Die Fachleute sind sich einig: Verdrängen ist nicht gut. Wie ein Bumerang kommt das Verdrängte irgendwann zurück und verursacht Lebenskrisen.

Unser Text redet auch vom Verdrängen, und zwar vom Verdrängen der eigenen Fehler. Niemand gibt gerne zu, dass er Schwächen hat. Um die eigenen Fehler nicht sehen zu müssen, zeigt er mit dem Finger auf die Fehler anderer. Wer selbst Steuern hinterzieht, empört sich über den neuesten Parteispendenskandal. Wer selbst nach fremden Frauen Ausschau hält, empört sich über die Affäre im Nachbarhaus. Damit – so Paulus – sind die eigenen Fehler nur verdrängt. Und am Tag des Gerichts Gottes werden sie auf uns zurückfallen wie ein Bumerang.

Und noch etwas Zweites wird verdrängt, wenn ich meine Mitmenschen richte: die Güte Gottes. Täglich zehre und profitiere ich von ihr. Das müsste mich davon erlösen, den anderen beschuldigen zu müssen. Es müsste den Teufelskreis der Missgunst und des Aufeinander-Zeigens durchbrechen. Es müsste mich gütig und barmherzig machen. Aber ich verdränge Gottes Güte, die ich mit unverschämter Selbstverständlichkeit beanspruche, und kreide meinem Bruder seine Fehler knallhart an. Dass ich dadurch Gottes Zorn auf mich ziehe, ist mehr als verständlich.

 

Gebet:

Vater, gib mir den Mut, die Augen zu öffnen und meine eigenen Fehler und Schwächen zuzugeben. Gib mir die Kraft deines Geistes und arbeite an mir. Gib mir ein gütiges Herz gegenüber meinen Mitmenschen.

 

Impuls:

Zeigen Sie mit dem Finger auf einen anderen Menschen! Wie viele Finger Ihrer Hand zeigen auf Sie? Antwort: Drei. Wer andere beschuldigt, klagt auch sich selbst an.

 

 

Hintergrundinformationen:

v     Derselbe Paulus, der sonst die Gerechtigkeit aus dem Glauben verkündet, redet hier vom Gericht nach den Werken. Wie kann das sein? Antwort: Es hängt damit zusammen, dass beim Jüngsten Gericht dem Glaubenden die Werke Christi angerechnet werden.

v     Es ist fast ein Naturgesetz: An dem Punkt, wo ich selbst meine Fehler habe, sehe ich bei andern die Fehler sehr genau. Dabei kann es sein, dass ich auf krasse Verfehlungen anderer zeige und bei mir derselbe Fehler eher versteckt lebendig ist. Beispiel: Ich empöre mich über den Mörder. Selbst habe zwar ich noch niemand getötet, aber in meinem Herzen sind intensive Gefühle von Hass, Bitterkeit und Groll. Vielleicht habe ich das Bedürfnis, die eigenen Fehler zu rechtfertigen oder einfach besser zu verstehen, indem ich an diesen Punkten mit Fingern auf andere zeige? Vielleicht möchte ich den fehlerhaften Teil von mir selbst auf diese Weise losbekommen? Zumindest: Ich richte damit nicht nur den anderen, sondern auch mich selbst, wie Paulus sagt.

 

Autor dieser Andacht: Robert Augustin