Andacht zu Hebräer 13,10-16
Freude ohne Ende (Ewigkeitssonntag), Tag 5

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Lesung:

Hebräer 13,10-16

Wir haben einen Altar, von dem zu essen kein Recht haben, die der Stiftshütte dienen. Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

 

Thema:

Sich „out-en“ – wie Jesus

 

Auslegung:

Manchmal gibt es Stoffe, die sich nicht vertragen: Der eine stößt den anderen ab. Wer z.B. bei einer Bluttransfusion Blut bekommt, das sich mit seinem eigenen Blut nicht verträgt, kann daran sterben.

Stolz und Gnade vertragen sich auch nicht. Davon redet unser Text. Da ist die stolze Stadt Jerusalem, hoch oben auf dem Berg gebaut, umsäumt mit großartigen Mauern. Da sind die stolzen Religionsführer, die angesehenen Pharisäer und die hochgebildeten Schriftgelehrten.

Und dann kommt Jesus, der Mann der Gnade. Er redet von Umkehr. Er wendet sich den Schwachen zu und holt sie aus Ihrem Dreck heraus: die Zöllner und die Huren. Sie ergreifen seine helfende Hand. Sie glauben. Sie werden gerettet.

Die Stolzen, die sich stark fühlen und meinen, keine Hilfe zu brauchen, macht das wütend. Sie stoßen Jesus aus: hinaus aus der Stadt, hinaus aus dem Raum stolzer Zivilisation. Auf dem Müllplatz Jerusalems endet Jesus als ein Ausgestoßener.

Und heute? – Wenn die Botschaft von der Gnade Gottes auf stolze Menschenherzen trifft, dann beginnt derselbe Kampf. Die Stolzen winken ab: „Wozu brauchen wir einen Gott? Wir sind nicht Sünder, wir sind gut! Gnade, nein danke!“. Der Zeuge Jesu Christi wird „ge-outet“, wird ins Abseits gestoßen. Paulus macht Christen Mut, die so bedrängt werden: Es ist seine, nämlich Jesu Schmach, die sie tragen. Als Ausgestoßene sind sie ganz nah bei ihm, ihrem Herrn und Heiland Jesus Christus: draußen vor dem Tor. Unter seinem Kreuz.

 

Gebet:

Herr Jesus, ich bitte dich für die, die wegen ihres Glaubens geoutet werden. Bewahre ihnen ein liebendes und von deinem Frieden erfülltes Herz.

Ich bitte dich für die, die stolz sind. Demütige sie, dass sie lernen, deine Gnade dankbar zu ergreifen, und darin das Leben finden, das ewig ist.

 

Impuls:

1. Lernen Sie den obigen Vers auswendig: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13,14)

2. Kennen Sie Menschen, die auf die Botschaft von Jesus Christus sehr aggressiv reagiert haben bzw. reagieren? Beten Sie für diese Menschen, dass Gott ihren Stolz bricht und ihnen Sündenerkenntnis schenkt.

 

Hintergrundinformationen:

v     Hinrichtungen wurden von den Juden nie innerhalb der Stadt durchgeführt. Wer gesteinigt werden sollte, wurde draußen vor den Toren der Stadt gerichtet. Auch die Römer, die die Kreuzigung Jesu verantworteten, kreuzigten Delinquenten außerhalb Jerusalems, nämlich dort, wo die Reisenden ein- und ausgingen. Auf diese Weise sollte ein abschreckendes Zeichen gesetzt werden.

v     „Sich outen“ kommt vom englischen Wort „out“ (=außerhalb) und meint: Sich ins Abseits stellen, indem man etwas von der Mehrheit nicht Anerkanntes tut.

 

Autor dieser Andacht: Robert Augustin